Verfahren
FDM, SLA, MJF oder FGF? So finden Sie das richtige Druckverfahren
Das „beste“ 3D-Druck-Verfahren gibt es nicht – es gibt nur das passende für Ihr Bauteil. Last, Oberfläche, Größe und Stückzahl entscheiden. Dieser Beitrag stellt die fünf wichtigsten Verfahren mit Stärken und Grenzen gegenüber und liefert vier Leitfragen für die schnelle Auswahl.
Wer ein Bauteil additiv fertigen lässt, steht zuerst vor der Verfahrensfrage. Die Wahl bestimmt Festigkeit, Oberfläche, Baugröße, Kosten und Lieferzeit gleichermaßen. Weil wir mehrere Verfahren im Haus haben, wählen wir nach Ihrer Anforderung – und nicht danach, welche Maschine gerade frei ist. Einen tieferen Blick auf die Werkstoffe finden Sie ergänzend im Werkstoff-Wegweiser.
FDM – robust, wirtschaftlich, groß
Das FDM-Verfahren (Schmelzschichtung) ist der Allrounder. Es verarbeitet ein breites Spektrum an Engineering-Filamenten – von PLA, PETG, ABS und ASA über PA, PC und TPU bis zu faserverstärkten Typen wie PETG-CF und PA-CF. FDM ist wirtschaftlich, robust und skaliert bis ins Großformat: Bei uns bis 800 × 800 × 1.000 mm.
Stärken: günstig, große Bauteile, echte Funktionswerkstoffe, schnelle Verfügbarkeit (Express ab 24 h, Standard 3–5 Werktage).
Grenzen: sichtbare Schichten, Toleranz nur ±0,3–0,5 mm, feine Details begrenzt.
Typisch für: Gehäuse, Halter, Vorrichtungen, Ersatzteile, Kleinserien.
SLA – feinste Details, glatte Oberfläche
Die Stereolithografie (SLA) härtet flüssiges Harz schichtweise mit Licht aus. Das Ergebnis: glatte Oberflächen, feinste Details und eine Toleranz von ±0,1 mm bei Schichtstärken von 25–100 µm. Der Bauraum ist mit 145 × 145 × 185 mm bewusst kompakt. Über spezielle Resins (Standard, Tough, High-Temp, ESD, Flexible, Castable) deckt SLA auch technische Anforderungen ab.
Stärken: höchste Detailtreue, glatte Sichtflächen, enge Toleranz, ESD- und High-Temp-Resins.
Grenzen: kleiner Bauraum, Resins meist spröder als thermoplastische Filamente, UV-Empfindlichkeit mancher Typen.
Typisch für: Sichtteile, Feinmechanik, Gehäuse-Muster, Gießmodelle, ESD-Anwendungen.
MJF – feine Serienteile aus PA12
Multi Jet Fusion (MJF) von HP ist ein Pulverbettverfahren: PA12-Pulver wird selektiv verschmolzen. Ohne Stützstrukturen entstehen feine, komplexe Teile mit gleichmäßiger, richtungsunabhängiger Mechanik – ideal, wenn viele gleiche Teile reproduzierbar gefertigt werden sollen.
Stärken: feine Details, gleichmäßige Mechanik, gute Reproduzierbarkeit, wirtschaftlich in Klein- und Mittelserie.
Grenzen: begrenzte Werkstoffauswahl (Fokus PA12), leicht körnige Oberfläche, kein Großformat.
Typisch für: Klein- und Mittelserien, komplexe Funktionsteile, Ersatzteile in Stückzahl.
FGF-Pelletdruck – Großformat zum Granulatpreis
Der FGF-Pelletdruck auf unserer Yizumi SpaceA verarbeitet Standard-Granulat statt Filament, geführt von einem KUKA-Roboter und einer Düse bis 450 °C. So entstehen sehr große Bauteile bis 1,2 × 1,0 × 1,0 m aus Werkstoffen wie PA6/CF oder PP/GF – zu deutlich geringeren Materialkosten als beim Filamentdruck.
Stärken: Großformat über einen Meter, günstiges Granulat, hohe Aufbauraten, faserverstärkte Werkstoffe.
Grenzen: gröbere Oberfläche, weniger feine Details, für kleine Präzisionsteile ungeeignet.
Typisch für: Großformatige Vorrichtungen, Urmodelle, Formen, Leichtbaustrukturen.
Carbon-Endlosfaser (CFF) – lasttragend, Metallersatz
Wenn ein Bauteil richtig tragen muss, kommt die Carbon-Endlosfaser (CFF) ins Spiel. In eine Onyx-Matrix wird eine durchgehende Endlosfaser lastgerecht eingelegt – das ergibt eine Zugfestigkeit bis 800 MPa und eine spezifische Festigkeit auf Aluminium-Niveau. Damit lassen sich viele gefräste Metallteile ersetzen; wann sich das lohnt, zeigt der Beitrag Carbon-Endlosfaser statt Aluminium.
Stärken: höchste Festigkeit im Kunststoffdruck, Leichtbau, echter Metallersatz.
Grenzen: aufwändiger, kein Großformat, ungeeignet bei extremen Punktlasten und engen Passungen.
Typisch für: Greifer, Strukturteile, Lastaufnahmen, leichte Vorrichtungen.
Die 4 Leitfragen
Bevor Sie ein Verfahren festlegen, beantworten Sie am besten diese vier Fragen – sie führen fast immer zur richtigen Wahl:
- 1. Last? Muss das Teil tragen? Hohe Last führt zu CFF oder faserverstärktem FDM, geringe Last lässt alle Optionen offen.
- 2. Oberfläche / Toleranz? Feine Details und enge Toleranz sprechen für SLA (±0,1 mm) oder MJF, gröbere Anforderungen für FDM (±0,3–0,5 mm).
- 3. Größe? Über einen Meter führt an FGF kaum ein Weg, mittlere Größen deckt FDM ab, kleine Präzisionsteile SLA und MJF.
- 4. Stückzahl? Einzelteile und Prototypen laufen über FDM oder SLA, Klein- und Mittelserien wirtschaftlich über MJF.
Kurz-Matrix zur Orientierung
- Robust & wirtschaftlich, mittlere bis große Teile? FDM.
- Feinste Details & glatte Oberfläche? SLA.
- Feine Serienteile, gleichmäßige Mechanik? MJF.
- Sehr groß & kostengünstig? FGF-Pelletdruck.
- Maximale Festigkeit, Metallersatz? Carbon-Endlosfaser (CFF).
In der Praxis ist die Verfahrenswahl selten schwarz-weiß – oft entscheidet das Zusammenspiel aus Werkstoff, Konstruktion und Nachbearbeitung. Nennen Sie uns Ihren Lastfall, die geforderte Toleranz, die Baugröße und die Stückzahl, und wir empfehlen das Verfahren, das Ihr Bauteil wirklich braucht.
Unsicher, welches Verfahren passt?
Schicken Sie uns Ihr Bauteil oder Ihre Zeichnung. Sie erhalten eine ehrliche Verfahrens- und Werkstoffempfehlung.
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